top of page

Die Show „Classique!“ von Victoria Dauberville

Aktualisiert: 27. Jan.

Mit Classique? legt Victoria Dauberville eine ambitionierte Debütperformance vor, die weit über eine bloße Tanzvorführung hinausgeht. Als choreografische Erzählung konzipiert, hinterfragt das Projekt den Platz des klassischen Balletts in der heutigen Zeit – seine Regeln, seine Anforderungen, aber auch seine Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln und mit der zeitgenössischen Welt in Dialog zu treten. Auf der Bühne erzählt die Tänzerin eine universelle Geschichte: die einer Künstlerin auf der Suche nach Freiheit, Identität und Sinn.


Eine Einführung in die kodifizierte Welt des Balletts


Die Aufführung beginnt in einem Universum, das allen Liebhabern des klassischen Tanzes vertraut ist. Eine Ballerina, beinahe erstarrt in einer Spieluhr, führt Bewegungen von großer Präzision aus. Alles erinnert an Strenge und Disziplin: Haltung, Spitzentanz, Wiederholung und das Streben nach Perfektion. Dieser erste Teil hebt die Schönheit des klassischen Balletts hervor, zeigt aber auch seine mitunter einschränkende Natur, in der sich der Körper strengen und unveränderlichen Normen unterwerfen muss.


Werbeplakat für „Classique?“, die Tanzperformance von Victoria Dauberville mit Mathieu Forget.
Werbeplakat für „Classique?“, die Tanzperformance von Victoria Dauberville mit Mathieu Forget.

Victoria Dauberville lehnt diese Tradition keineswegs ab. Im Gegenteil: Sie offenbart ihren technischen und ästhetischen Reichtum. Jeder Schritt zeugt von Jahren anspruchsvoller Ausbildung und von tiefem Respekt für diese jahrhundertealte Kunst. Doch schon bald lässt die Tänzerin eine Spannung sichtbar werden – die eines Körpers und eines Geistes, die nach mehr verlangen.


Den Rahmen sprengen, die Bewegung öffnen


Im Verlauf der Aufführung tritt die Ballerina aus ihrem vorgegebenen Rahmen heraus. Die „Box“ wird zu einem kraftvollen Symbol: für künstlerische Zwänge, gesellschaftliche Erwartungen, Begrenzungen, aber auch für den ständigen Perfektionsdruck, dem klassische Tänzerinnen und Tänzer ausgesetzt sind. Mit dem Fortschreiten der Geschichte wandelt sich auch der Tanz selbst. Die einst starren Linien werden weicher, die Stile verschmelzen, und die Bewegungen werden instinktiver, fließender.


Victoria Dauberville erkundet daraufhin einen eindrucksvollen choreografischen Spannungsraum – zwischen klassischem Tanz, zeitgenössischen Einflüssen und freieren Gesten. Diese Mischung ist niemals willkürlich: Sie folgt der Erzählung und spiegelt die innere Entwicklung der Figur wider. Das Ballett wird zu einer Sprache, die Zweifel, Wut, Freude und Emanzipation auszudrücken vermag.


Victoria Dauberville in ihrer Show „Classique?“
Victoria Dauberville in ihrer Show „Classique?“

Ein Märchen ohne Prinzen, aber mit einer Heldin


Im Gegensatz zu traditionellen Ballettgeschichten erzählt Classique? nicht von einem Retter oder einem romantischen Ideal. Die Geschichte ist entschieden modern: Die Heldin formt sich selbst durch ihre eigenen Entscheidungen und Brüche. Die Aufführung hinterfragt damit die Rolle der Frau in der Welt des Tanzes – einem Bereich, der lange von stereotypen Rollenbildern und festgelegten Erzählmustern geprägt war.


Ein dezenter, aber stets präsenter Humor trägt ebenfalls dazu bei, das Ballett zu entmystifizieren. In bestimmten Szenen wird mit den Klischees der Tanzwelt gespielt, wodurch die Show auch für Zuschauerinnen und Zuschauer zugänglich wird, die mit klassischem Ballett nicht vertraut sind. Diese subtile pädagogische Dimension hilft, die Kunstform einem breiteren Publikum zu öffnen.


Eine stimmige künstlerische Vision


Classique? fügt sich nahtlos in den künstlerischen Werdegang von Victoria Dauberville ein, die für ihre Auftritte an ungewöhnlichen Orten und ihre viralen Videos bekannt ist – etwa jenes, in dem sie auf dem wulstigen Bug eines Kreuzfahrtschiffes tanzt. Auf der Bühne setzt sie diesen Ansatz fort und zeigt, dass Ballett weder einer Elite vorbehalten noch auf prestigeträchtige Theater beschränkt ist. Es kann lebendig, zeitgenössisch und zutiefst menschlich sein.


Die minimalistische Szenografie, das Licht und die Musik begleiten diese Entwicklung, ohne sie zu überlagern. Alles ist darauf ausgerichtet, den Körper die Geschichte erzählen zu lassen – die Bewegung im Zentrum der Erzählung zu bewahren.


Werbevideo für die Tanzperformance „Classique?“. Video von Victoria Dauberville.

Eine Performance zwischen Erbe und Erneuerung


Mit Classique? gelingt Victoria Dauberville ein feines Gleichgewicht: Sie ehrt die Tradition und stellt sie zugleich infrage. Die Aufführung hat nicht das Ziel, das Ballett zu „brechen“, sondern ihm Raum zum Atmen zu geben, seine Grenzen zu verschieben und es für die Welt von heute durchlässig zu machen. Sie erinnert daran, dass der klassische Tanz keine erstarrte Kunstform ist, sondern ein Fundament, aus dem neue Möglichkeiten entstehen können.


Diese Debütperformance behauptet eine eigenständige und vielversprechende künstlerische Stimme. Classique? hinterlässt beim Publikum eine klare Überzeugung: Das Ballett kann noch immer überraschen, berühren und zeitgenössische Geschichten erzählen – vorausgesetzt, man wagt es, sich zu bewegen, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.


Biografie von Victoria Dauberville: zwischen klassischer Strenge und kreativer Kühnheit


Victoria Dauberville, geboren am 20. März 1996 in Frankreich, ist eine Balletttänzerin und Choreografin, die es versteht, Tradition und Moderne durch einen einzigartigen künstlerischen Ansatz miteinander zu verbinden. Ausgebildet an der Ballettschule der Pariser Oper und später am Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris, beherrscht sie die Grundlagen des klassischen Balletts und behauptet zugleich eine tief persönliche künstlerische Freiheit.


Nach Engagements bei renommierten Compagnien wie der Opéra de Bordeaux, dem Royal Ballet of Flanders und den Ballets de Monte-Carlo entschied sich Dauberville, sich von institutionellen Strukturen zu lösen, um freiere und hybridere Tanzformen zu erkunden.


In den sozialen Medien äußerst aktiv, hat Victoria Dauberville durch ihre eindrucksvollen Performances an unerwarteten Orten große Bekanntheit erlangt – von Wüsten über Laufbänder in Fitnessstudios bis hin zu den Gletschern der Antarktis – und damit weltweit Millionen von Menschen erreicht. Wie auf dem oben gezeigten Foto zu sehen ist, hat Victoria zudem mehrfach mit dem französischen Künstler JR zusammengearbeitet.


Zweimal wurde sie in die Forbes-Liste „30 Under 30“ aufgenommen (Frankreich 2023 und Europa 2024) – für ihren kulturellen Einfluss und ihren innovativen Geist. Heute gilt Victoria Dauberville als eine der prägenden Persönlichkeiten des zeitgenössischen Balletts.

Sie ist außerdem Gründerin der Victoria Dauberville Company, mit der sie weiterhin einen künstlerischen Ansatz entwickelt, der Tanz, Performance und Erzählkunst miteinander verbindet.


Biografie von Mathieu Forget: der „Flying Man“ und die Kunst der schwebenden Bewegung


An der Seite von Victoria bringt Mathieu Forget seine multidisziplinäre Vision in Classique? ein. Der in Paris geborene Künstler ist Tänzer, Fotograf, Choreograf und künstlerischer Leiter zugleich. Unter dem Pseudonym ForgetMat hat er internationale Anerkennung für seine Meisterschaft in der Bewegungs- und Levitationfotografie erlangt, mit der er schwebende Silhouetten einfängt, die der Schwerkraft zu trotzen scheinen.


Sein künstlerisches Schaffen erforscht die Beziehung zwischen Bewegung, Raum und Ästhetik. Mit seinen Bildern und Videos möchte er Freiheit des Ausdrucks, Selbstüberschreitung und die Verschmelzung von Stilen fördern. Seine Praxis vereint Tanz, Performance und visuelles Storytelling, häufig in unerwarteten oder poetischen Umgebungen.



Mathieu ist außerdem für seine Zusammenarbeit mit großen internationalen Veranstaltungen bekannt, darunter die Olympischen Spiele Paris 2024, bei denen mehrere seiner Werke Sport und Bewegung aus einer künstlerischen Perspektive feierten.

In Classique? geht seine Rolle weit über die reine Performance hinaus: Er verkörpert ein zentrales Element im Dialog zwischen Tanz und Bild und bereichert die choreografische Erzählung durch seine visuelle und körperliche Sensibilität.


Ein verbindendes künstlerisches Erlebnis


Classique? ist mehr als nur ein Ballett – es ist eine Einladung, den klassischen Tanz als lebendige Sprache neu zu denken, offen für die Einflüsse der zeitgenössischen Welt. Die Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne erzählen eine Geschichte, die sowohl Ballettliebhaberinnen und -liebhaber als auch ein Publikum anspricht, das diese Kunstform erstmals entdeckt.


Victoria Dauberville und Mathieu Forget verkörpern auf jeweils eigene Weise die Idee, dass Tanz nicht auf die traditionelle Bühne beschränkt ist: Er ist ein Medium für Poesie, Reflexion und Freiheit. Ihre künstlerische Zusammenarbeit schlägt eine Brücke zwischen Choreografie und Erzählkunst, zwischen Strenge und Spontaneität, Tradition und Innovation.


Nach der Premiere im Dezember 2025 mit einer Reihe von Aufführungen zwischen Lyon und Paris wird Classique? im Jahr 2026 durch Frankreich touren. Rund zwanzig Vorstellungen sind bereits geplant – von Tours bis Genf, darunter Lyon und Annecy. Mathieu Forget teilte kürzlich auf Instagram mit, dass die meisten Vorstellungen für dieses Jahr bereits ausverkauft sind!




Weiterlesen in unserem Blog:

 
 
 

Kommentare


bottom of page