top of page

Shepard Fairey (Obey) Ausstellung in Berlin

Aktualisiert: 26. Jan.

Shepard Fairey: Photo Synthesis – Eine große Ausstellung in Berlin


Im Berliner Fotografiska Berlin Museum läuft noch bis zum 8. März 2026 die Ausstellung Photo Synthesis, die einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Street-Art gewidmet ist: Shepard Fairey, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Obey. Diese Retrospektive bietet einen einzigartigen Einblick in die Karriere des Künstlers, beleuchtet die entscheidende Rolle der Fotografie in seinem kreativen Prozess und zeigt, wie seine Arbeiten die urbane Kunst weltweit neu definiert haben.


Eine ambitionierte Retrospektive: Photo Synthesis in Berlin


Die Ausstellung Photo Synthesis vereint über 200 Werke aus Shepard Faireys umfangreichem künstlerischen Schaffen. Kuratiert wurde die Ausstellung von Thomas Schäfer, stellvertretender Direktor der Ausstellungen bei Fotografiska Berlin, in Zusammenarbeit mit Johan Vikner, Global Director of Exhibitions, und dem Künstler selbst. Die Schau zeichnet die gesamte Entwicklung von Faireys Werk nach – von seinen frühen Plakaten und Collagen über digitale Arbeiten bis hin zu neuen Werken, die speziell für diese Ausstellung entstanden sind.


Shepard Fairey Ausstellung in Berlin
Plakat zur Ausstellung „Photo Synthesis“ in Berlin

Die Einzigartigkeit von Photo Synthesis


Das Besondere an Photo Synthesis liegt in der Erforschung der Rolle der Fotografie in Faireys Werk. Obwohl sein Stil oft unverkennbar grafisch ist – inspiriert von den visuellen Codes der Propaganda, Pop-Art und Skate-Kultur – hat er von Anfang an bearbeitete Fotografien, visuelle Fragmente und Bilder aus aktuellen Ereignissen integriert, die seine künstlerische Reflexion nähren. Die Retrospektive zeigt, wie diese fotografischen Elemente mit Grafikdesign, Malerei und Collage synthetisiert wurden, sodass Werke entstanden, die sowohl visuell kraftvoll als auch politisch aufgeladen sind.


Ein faszinierender Aspekt der Ausstellung ist die Gegenüberstellung historischer Werke – wie der Poster, Sticker und Collagen, die Fairey in den 1990er-Jahren berühmt gemacht haben – mit aktuellen und bisher ungesehenen Arbeiten, die speziell für Photo Synthesis geschaffen wurden. Dieser Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart unterstreicht sowohl die Kontinuität seines politischen und sozialen Engagements als auch die Entwicklung seiner visuellen Sprache.


Eine ähnliche Ausstellung fand 2024 in Stockholm von Juni bis Oktober statt, ebenfalls organisiert vom Fotografiska Museum. Mehr als 200 Werke des Künstlers wurden gezeigt, und etwa 200.000 Besucher nahmen teil, wodurch sie zu einer der meistbesuchten Ausstellungen des Museums im Jahr 2024 wurde.


Biografie von Shepard Fairey


Shepard Fairey, geboren am 15. Februar 1970 in Charleston, South Carolina, ist ein international renommierter amerikanischer Künstler, Grafikdesigner und Aktivist. Er entstammt der Skate- und Punkrock-Kultur und studierte Design an der Rhode Island School of Design (RISD), wo er einen Bachelor of Fine Arts in Illustration erwarb. Dort, 1989, schuf er den Sticker „Andre the Giant Has a Posse“, ein minimalistisches Bild des Wrestlers André the Giant. Dieses Motiv wurde zur Grundlage seiner Obey Giant-Kampagne – ein experimentelles Kunstprojekt, inspiriert von der Phänomenologie, das die Betrachter dazu bringen sollte, über die Natur von Bildern, Autorität und visueller Macht nachzudenken.


Die Obey-Kampagne verbreitete sich schnell auf den Straßen der Welt, zunächst über Sticker, dann über Poster und Schablonen. Shepard Fairey entwickelte einen unverwechselbaren visuellen Stil, geprägt von kräftigen Farben (insbesondere Rot, Schwarz und Beige), starken geometrischen Formen und Bildmotiven, die zwischen politischer Propaganda, Pop-Art und kraftvollen visuellen Slogans oszillieren.


Obey-Ausstellung in Stockholm, „Photo Synthesis“, Fotografiska Museum
Das Plakat zur Ausstellung „Photo Synthesis“ in Stockholm, gewidmet Shepard Fairey, zeigt das ikonische Motiv „Hope“, das für Barack Obamas Präsidentschaftskampagne 2008 geschaffen wurde.

Der Wendepunkt seiner Karriere


Der entscheidende Wendepunkt in Shepard Faireys Karriere kam 2008 mit der Entstehung des ikonischen „Hope“-Posters, das Barack Obama während seiner Präsidentschaftskampagne zeigt. Dieses Bild, das seitdem zu einem kulturellen Symbol geworden ist, katapultierte Fairey nicht nur zu weltweiter Bekanntheit, sondern veränderte auch die visuelle Sprache der modernen politischen Kommunikation.

Im Laufe der Jahre ist Fairey zu einem politisch engagierten Künstler geworden, der seine Werke nutzt, um Themen wie soziale Gerechtigkeit, Bürgerrechte, Umweltschutz, Gleichberechtigung und Demokratie anzusprechen. Seine Arbeiten – sowohl in den Straßen als auch in Museen zu finden – haben die globale visuelle Kultur nachhaltig beeinflusst und gehören zu bedeutenden ständigen Sammlungen, darunter das Museum of Modern Art (MoMA) in New York, die Smithsonian National Portrait Gallery in Washington, D.C. und das Victoria & Albert Museum in London.


Shepard Faireys berühmteste Wandbilder


Unter den Hunderten von Wandbildern und urbanen Interventionen, die Shepard Fairey weltweit geschaffen hat, stechen mehrere durch ihre Größe, visuelle Wirkung und symbolische Aussage hervor. Nachfolgend drei seiner emblematischsten Werke:

„Nelson Mandela“ – Johannesburg, SüdafrikaEntstanden 2014 in Johannesburg, ist das Nelson-Mandela-Wandbild eines von Faireys beeindruckendsten öffentlichen Werken. Über mehrere Stockwerke eines Gebäudes im Stadtteil Braamfontein erstreckend, würdigt das monumentale Porträt den Anti-Apartheid-Führer und seinen Kampf für Freiheit. Die Komposition – geprägt von starken Kontrasten und Faireys charakteristischem politisch-ästhetischem Stil – feiert Mandelas universelles Vermächtnis von Widerstand und Hoffnung.


„Make Art Not War“ – Berlin, Kreuzberg (in der Nähe von Hallesches Tor / Mehringplatz)


Einer von Faireys ikonischsten Beiträgen zur urbanen Landschaft Berlins, verbindet Make Art Not War die unverkennbare Obey-Grafikästhetik mit einer klaren pazifistischen Botschaft. Das Wandbild befindet sich am Eingang der Station Hallesches Tor / Mehringplatz im lebendigen Stadtteil Kreuzberg. Es zeigt eine stilisierte Rose, die von einer Kette umschlossen ist, begleitet vom Slogan Make Art Not War. Das Werk ist ein kraftvoller Appell für Kreativität und Frieden über Gewalt und Konflikt und resoniert stark mit der jungen, multikulturellen Energie des Viertels.


„Make Art Not War“-Fresko von Shepard Fairey in Berlin
Wandbild von Obey in Berlin mit dem Titel „Make Art, Not War“

„No Future“ / Sozial engagiertes Wandbild – Berlin, Schöneberg (Frobenstraße / Schwerinstraße / Bülowstraße)


Shepard Fairey schuf auch ein bedeutendes Wandbild im Berliner Stadtteil Schöneberg im Rahmen des Urban Nation One Wall Projects. Dieses Werk, oft „No Future“ genannt, vermittelt eine kraftvolle Botschaft gegen Apathie, Ignoranz, Sexismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Mit großen, markanten Schriftzügen und einem ausdrucksstarken Porträt bedeckt das Wandbild eine Fläche von etwa 15 × 18 Metern und steht als visueller Aufruf zu Bewusstsein und sozialer Verantwortung. Es befindet sich an der Ecke Frobenstraße / Schwerinstraße / Bülowstraße.


Street-Art-Werk „No Future“ von Shepard Fairey in Berlin
„No Future“-Wandbild von Shepard Fairey in Berlin

„The Beauty of Liberty and Equality“ – Austin, Texas, USA


In Austin, Texas, malte Shepard Fairey ein Wandbild mit dem Titel „The Beauty of Liberty and Equality“ an der Westwand des The Line Hotel. Dieses Werk feiert den 100. Jahrestag des US-Verfassungszusatzes, der Frauen das Wahlrecht gewährte, und verbindet Porträtmalerei mit Typografie in Faireys unverwechselbarem Stil – mit kräftigen grafischen Formen, klaren visuellen Botschaften und symbolträchtigen Motiven. Das Wandbild entstand in Zusammenarbeit mit der kanadischen Künstlerin Sandra Chevrier.


Wandbild von Shepard Fairey in Austin, Texas, mit dem Titel „The Beauty of Liberty and Equality“
Wandbild in Zusammenarbeit mit Sandra Chevrier, mit dem Titel „The Beauty of Liberty and Equality“, Austin, Texas

„Marianne“ – Paris, Frankreich


Im 13. Arrondissement von Paris schuf Shepard Fairey das Wandbild „Marianne“, das die symbolische Figur der Französischen Republik darstellt. Dieses monumentale Porträt, ausgeführt in den Nationalfarben und begleitet vom Motto Liberté, Égalité, Fraternité, wurde nach den Terroranschlägen von 2015 als Geste der Solidarität und kulturellen Resilienz gemalt. Das Werk zeigt, wie Fairey symbolische Figuren nutzt, um politische und soziale Werte im öffentlichen Raum zu vermitteln.


Fotografiska Berlin: Ein Raum für Kunst und visuelle Kultur


Das Fotografiska Berlin, gelegen in der Oranienburger Straße im Herzen Berlins, ist eines der dynamischsten Zentren der Stadt für zeitgenössische Fotografie, Kunst und visuelle Kultur. Als Teil der internationalen Fotografiska-Familie – mit Museen in Stockholm, Tallinn und Shanghai – präsentiert es Ausstellungen renommierter zeitgenössischer Künstler sowie aufstrebender Talente.


Mehr als nur ein Ausstellungsort bietet Fotografiska ein lebendiges Programm mit Vorträgen, Filmvorführungen, Talks und kulturellen Events. Bekannt ist das Museum auch für seine soziale Infrastruktur, einschließlich Café und Restaurant, wodurch ein umfassendes Erlebnis entsteht, das Kunst, sozialen Austausch und Reflexion verbindet. Das Museum zieht ein internationales Publikum an, das an visuellen Entdeckungen und Diskussionen über aktuelle gesellschaftliche Fragen interessiert ist.


Die Ausstellung Photo Synthesis von Shepard Fairey passt perfekt zu diesem Ansatz, indem sie visuelle Kunst mit sozialen, politischen und kulturellen Themen verknüpft und zeigt, wie eine visuelle Sprache unser Verständnis von Welt, öffentlichem Raum und bürgerschaftlichem Engagement prägen kann.


Fazit: Eine visuelle und politische Erkundung


Die Ausstellung Photo Synthesis im Fotografiska Berlin ist mehr als eine Retrospektive ikonischer Werke; sie ist ein Eintauchen in Denken und Schaffen einer der aktuell relevantesten künstlerischen Stimmen. Indem untersucht wird, wie Fotografie Faireys Praxis beeinflusst hat, bietet sie den Besuchern eine einzigartige Perspektive darauf, wie ein Künstler sowohl visuell als auch politisch unsere Beziehung zu Bildern, öffentlichem Raum und gesellschaftlichem Engagement beeinflussen kann.


Durch seine monumentalen Wandbilder, kulturell symbolischen Poster und sein fortlaufendes soziales Engagement hat Fairey Street Art zu einem kraftvollen Medium für kritische Reflexion, visuelle Poesie und bürgerschaftliches Handeln gemacht. Photo Synthesis bietet die ideale Gelegenheit, diesen Werdegang nachzuvollziehen und einen Künstler zu feiern, der die Rolle von Bildern in der zeitgenössischen Gesellschaft neu definiert hat.




Zu lesen in unserem Blog:


 
 
 

Kommentare


bottom of page