Ausstellung „Art in the Street – 60 Jahre Urban Art“: Le Mans feiert Street Art vom 7. Juni bis 7. September 2025.
- Romain Class
- 14. Juni 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Feb.
Vom 7. Juni bis zum 7. September 2025 verwandelt sich die Stadt Le Mans in die Hauptstadt der Urban Art mit der außergewöhnlichen Ausstellung „Art in the Street – 60 Jahre Urban Art“, die im historischen Rahmen der Collégiale Saint-Pierre-la-Cour stattfindet. Diese kostenlose Veranstaltung, organisiert in Partnerschaft mit Plein Champ, Lefranc Bourgeois und dem Sammler Nicolas Laugero Lasserre, bietet eine einzigartige Reise durch die Geschichte der Street Art, indem sie einen Dialog zwischen Werken im öffentlichen Raum und Atelierarbeiten schafft.
Eine immersive und lehrreiche Ausstellung
Die Ausstellung zeichnet sechs Jahrzehnte urbanen künstlerischen Ausdrucks nach – von den ersten Tags im New York der 1970er-Jahre bis hin zu zeitgenössischen Installationen an Stadtwänden rund um den Globus. Durch die Verbindung von In-situ-Werken, Archivdokumenten und Sammlerstücken bietet Art in the Street ein visuelles und intellektuelles Erlebnis, das zugleich zugänglich und anspruchsvoll ist.

Mehrere große Figuren der Street Art stehen im Rampenlicht:
Banksy, bekannt für seine subversiven und ironischen Werke.Der anonyme britische Künstler, der zu einer globalen Street-Art-Ikone wurde, ist berühmt für seine eindrucksvollen Schablonengemälde, die schwarzen Humor, soziale Satire und politische Botschaften verbinden. Seine Arbeiten prangern Krieg, Kapitalismus, Massenüberwachung und Ungleichheit an und nutzen oft Überraschungsmomente und clevere Platzierungen im öffentlichen Raum. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Girl with Balloon und Rage, the Flower Thrower. Indem er die Grenzen zwischen Vandalismus und Aktivistenkunst verwischt, hinterfragt Banksy auch die Kommerzialisierung von Kunst und die Rolle von Institutionen.
Shepard Fairey, alias Obey, berühmt für seine kraftvollen, politisch aufgeladenen Bilder.Ursprünglich aus South Carolina stammend, erlangte Shepard Fairey in den 1990er-Jahren Bekanntheit durch seine „Obey Giant“-Kampagne, inspiriert vom Wrestler André the Giant. Er nutzt Siebdruck, Collagen und Plakatkunst, um wirkungsvolle visuelle Botschaften in großem Maßstab zu verbreiten. Sein ikonischstes Werk bleibt das Hope-Poster für Barack Obamas Präsidentschaftskampagne 2008, das zu einem internationalen Symbol wurde. Sein Stil – stark beeinflusst von Punk-Kultur, sowjetischer Propaganda und Protestkunst – ist sofort erkennbar.
Invader, Meister der pixelartigen Mosaike, inspiriert von Videospielen.Der französische Künstler, geboren in Paris, ist am besten bekannt für seine Mosaikarbeiten, inspiriert vom klassischen Videospiel Space Invaders, die er seit den späten 1990er-Jahren weltweit an Wänden installiert. Sein „Space Invaders“-Projekt basiert auf der Idee, urbane Räume mit kleinen, farbenfrohen Keramikkunstwerken „zu hacken“, oft an unerwarteten Orten. Jede Intervention wird dokumentiert und kartiert, sodass ein globales Kunstwerk auf Planetenskala entsteht. Invader spielt zudem mit den Konzepten von Spielen, Punkteständen und der Interaktion zwischen Kunst und urbanem Raum.
JR, der Starfotograf. Der international renommierte französische zeitgenössische Künstler JR ist bekannt für seine monumentalen Schwarz-Weiß-Fotoinstallationen, die im öffentlichen Raum angebracht werden. Sein Werk liegt an der Schnittstelle von Kunst, Fotojournalismus und sozialem Aktivismus. Durch partizipative Projekte wie Women Are Heroes, Inside Out Project und Face 2 Face gibt er den anonymen Menschen eine Stimme und setzt sich mit Themen wie Identität, Grenzen und Unsichtbarkeit auseinander. Indem er Stadtwände, Dächer und historische Bauwerke zu Freiluftgalerien macht, macht JR Kunst für alle zugänglich und verwandelt sie in ein kraftvolles Werkzeug für Dialog und kollektive Reflexion.
Die Ausstellung zeigt nicht nur Kunstwerke, sondern setzt sie auch in Dialog mit ihren Atelierversionen und hinterfragt so die Grenze zwischen Street Art und institutioneller Kunst.
Das Ziel ist klar: Den Besuchern zu zeigen, wie Street Art – lange als marginal oder sogar als Vandalismus abgetan – allmählich Galerien, Museen und Medienlandschaften erobert hat.
Ein historischer Rahmen für eine lebendige Kunstform
Die Ausstellung findet in der Collégiale Saint-Pierre-la-Cour statt, einem ehemaligen Gotteshaus, das zu einer ikonischen Kulturstätte in Le Mans geworden ist. Dieser Kontrast zwischen religiösem Erbe und urbaner Kreativität verleiht der Veranstaltung eine starke symbolische Resonanz: ein Treffpunkt zwischen Tradition und Subversion, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Eine Stadt, die Street Art vollständig annimmt
Die Ausstellung ist Teil einer größeren kulturellen Initiative der Stadt Le Mans. Parallel dazu findet vom 4. bis 6. Juli 2025 das Plein Champ Festival im Gué-de-Maulny-Park statt, das urbane Kultur durch Konzerte, Live-Painting-Performances, DJ-Sets und partizipative Workshops feiert.
Das ganze Jahr über erweitert die Stadt außerdem den Parcours Plein Champ, einen künstlerischen Spaziergang, auf dem fast 50 permanente Wandgemälde und Street-Art-Arbeiten die urbane Landschaft in eine Freiluftgalerie verwandeln. Außerdem werden temporäre Werke auf der M.U.R. des Tessé-Museums präsentiert – eine rotierende Kunstwand, die jeden Monat einen anderen Künstler zeigt.
Praktische Informationen
Veranstaltungsort: Collégiale Saint-Pierre-la-Cour, Rue des Fossés Saint-Pierre, 72000 Le Mans
Daten: 7. Juni bis 7. September 2025
Öffnungszeiten: Täglich außer montags, von 10:00 bis 18:00 Uhr (Änderungen vorbehalten)
Eintritt: Kostenlos
Anreise: 10 Gehminuten vom Bahnhof Le Mans (TGV ab Paris Montparnasse in 55 Minuten)
Kontakt: Le Mans Tourismus – +33 (0)2 43 47 36 52
Eine Einladung, die Stadt neu zu denken
Über die ästhetische Dimension hinaus regt die Ausstellung zu einer tieferen Reflexion über die Rolle von Kunst im öffentlichen Raum an. Wie verändert Street Art unsere Wahrnehmung der umgebenden Wände? Kann sie als Mittel des Protests, der Verschönerung oder gar der zivilen Rückeroberung des urbanen Raums dienen? Durch Kunstwerke, Videos und Künstler:innenberichte bietet Art in the Street Einblicke und lädt jede:n Besucher:in ein, Teil dieses laufenden Dialogs zu werden.
Art in the Street – 60 Jahre Urban Art ist mehr als eine Retrospektive: Es ist ein Manifest. Eine Hommage an die Kühnheit von Künstler:innen, die von den Bürgersteigen New Yorks bis in die Hinterhöfe von Le Mans Wände zu Leinwänden der Freiheit gemacht haben. In einer Zeit, in der öffentlicher Raum zunehmend reguliert wird, bietet diese Feier urbaner Kreativität eine dringend benötigte Frischluftzufuhr.





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