Ausstellung „Triple Trouble“ in London: das Bündnis von drei urbanen Kunst-„Unruhestiftern“ — Invader, Martin Hirst und Obey.
- Romain Class
- 2. Okt. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Feb.
Vom 10. Oktober 2025 bis zum 29. März 2026 präsentiert die Newport Street Gallery in London Triple Trouble, eine Gemeinschaftsausstellung, die drei bedeutende Persönlichkeiten der zeitgenössischen und urbanen Kunst vereint: Shepard Fairey, Damien Hirst und Invader. Kuratiert von Connor Hirst, ist dieses künstlerische Zusammentreffen als ein beispielloser visueller Dialog konzipiert – eine Konfrontation dreier Welten, die auf den ersten Blick niemals dazu bestimmt waren, sich zu überschcheiden.
Malerei, Skulptur, Installationen, Mosaike und experimentelle Arbeiten verweben sich in den sechs großzügigen Ausstellungsräumen der Galerie. Das Ergebnis? Eine Reihe hybrider Werke, in denen sich Hirsts klinische Präzision, Faireys aktivistischer Grafikstil und Invaders pixelgeladene Energie gegenseitig durchdringen, beeinflussen und verwandeln.

Der Eintritt ist frei, und die Newport Street Gallery — von Caruso St John aus ehemaligen viktorianischen Gebäuden entworfen — ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Der Eintritt ist kostenlos, und die Newport Street Gallery — gestaltet von Caruso St John auf der Grundlage ehemaliger viktorianischer Gebäude — ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Invader: der pixelige Eindringling, der Dreh- und Angelpunkt der Begegnung
Unter den drei Künstlern nimmt Invader eine zentrale Stellung ein. Er bleibt bewusst schwer greifbar: ein Unidentified Free Artist (UFA), maskiert und anonym, der ein weltweites Werk geschaffen hat, indem er seine 8-Bit-Mosaike im öffentlichen Raum verstreut. Seit über zwanzig Jahren tauchen seine „Invasionen“ in nahezu 90 Territorien auf — sie reichen bis in den Weltraum und unter die Meeresoberfläche.
Seine Arbeiten verwandeln die Stadt in einen Spielplatz und folgen zugleich einer globalen Logik symbolischer Eroberung. Mit der App Flashinvaders schuf er ein interaktives System, das es Fans ermöglicht, seine Mosaike zu „jagen“, und dabei Kunst, Technologie und Gemeinschaft miteinander verbindet. Seine Werke beschränken sich längst nicht mehr auf die Straße: Rubikcubism, Installationen, Invasions-Kits, Siebdrucke und Galeriearbeiten erweitern diese invasive Praxis.

Invader in Triple Trouble
In London geht Invader in der Ausstellung Triple Trouble über die bloße Wiederholung seiner ikonischen Mosaike hinaus. Er treibt sie in einen beispiellosen Dialog mit seinen beiden Mitstreitern:
Rubik’s-Cube-Mosaike, die Shepard Faireys aktivistischen Plakaten gegenübergestellt sind.
Hybride Werke zwischen Damien Hirsts „Spot Paintings“ und seinen eigenen pixelhaften Motiven.
Skulpturale Installationen, in denen seine Bildsprache mit Hirsts Medikamentenschränken und klinischen Objekten verschmilzt.
Eine brandneue Wandarbeit an der Fassade der Newport Street Gallery, die die Grenze zwischen clandestiner Street Art und musealer Institution verwischt.

Ein kreativer Katalysator
Invader selbst beschreibt die Kraft dieser Begegnung so:
„Abgesehen davon, dass wir Unruhestifter sind, sind wir drei Künstler mit extrem unterschiedlichen visuellen Universen. Ich habe immer gedacht, dass die Kombination meiner pixelierten Mosaike mit Damiens wissenschaftlicher Präzision und Shepards grafischem Engagement etwas Unerwartetes hervorbringen könnte. Die Verschmelzung unserer drei Stile konnte nur zu erstaunlichen, beinahe explosiven Werken führen. Am meisten beeindruckt hat mich der Reichtum des kreativen Prozesses: Hunderte von Nachrichten, Skizzen, Modellen und Ideen zirkulierten zwischen uns dreien. Jeder baute auf der Arbeit des anderen auf und trieb die Grenzen seiner eigenen künstlerischen Sprache weiter voran. Man könnte sagen, dass Triple Trouble nicht nur eine Ausstellung ist, sondern ein wahres kollektives Labor, in dem die Konfrontation zur Quelle von Innovation wird.“
Dieses Zitat veranschaulicht perfekt Invaders Rolle: die eines Katalysators, der das Verhältnis zwischen Klandestinität und Institution, zwischen anonymer Street Art und dem Museumsraum neu erfindet.

Shepard Fairey: Grafisches Gewissen
Shepard Fairey, eine bedeutende Figur der amerikanischen Street Art, ist vor allem für seine politisch engagierten Plakate bekannt, wie das Marianne-Motiv „Liberté, Égalité, Fraternité“, sein ikonisches „HOPE“-Porträt von Barack Obama und sein Obey-Giant-Projekt. Seine Bildsprache basiert auf eindrucksvollen Bildern, subversiven Slogans und einer von Propaganda inspirierten Ästhetik, die er nutzt, um politische, soziale und wirtschaftliche Missstände anzuprangern.
In Triple Trouble bringt Fairey eine kämpferische Dimension ein. Seine Kompositionen durchdringen die Räume von Hirst und Invader: Seine kräftigen Farben und Slogans korrespondieren mit den Pixeln und bunten Kreisen seiner Mitkünstler. Der Künstler selbst hat erklärt, dass ihn Invaders Fähigkeit fasziniert habe, 8-Bit-Ästhetik trotz formaler Einschränkungen in greifbare urbane Kunst zu verwandeln.
Seine Werke in der Ausstellung verschränken sich mit denen der beiden anderen Künstler und schaffen hybride Wandbilder, in denen die Kraft politischer Botschaften mit visuellem Spiel und wissenschaftlicher Präzision verschmilzt.

Damien Hirst: Klinische Präzision im Dienst der Kollision
Damien Hirst, eine ikonische Figur der Young British Artists, ist bekannt für seine spektakulären und oft kontroversen Werke: in Formaldehyd konservierte Tiere, Medikamentenschränke und klinische Installationen. Sein Ansatz hinterfragt Leben, Tod, Konsum und Wissenschaft, oft mit methodischer Distanz.
In der Ausstellung Triple Trouble öffnet Hirst sein Universum für Kontamination. Seine berühmten „Spot Paintings“ werden zu experimentellen Feldern, in die Invaders Pixel und Faireys Slogans eingebettet sind. Seine Medikamentenschränke treten in Dialog mit Mosaiken, und seine repetitiven Motive streifen urbane und aktivistische Unordnung.
Hirst hat erklärt, dass ihn diese Zusammenarbeit dazu gebracht habe, seine Praxis neu zu überdenken: Die Arbeit mit Invader und Fairey bedeutete, das Unerwartete, das Zufällige und Überraschende zuzulassen. Wo er normalerweise jedes Detail kontrolliert, verlangt Triple Trouble die Koexistenz unterschiedlicher Stile.
Ein visueller und konzeptioneller Schock
Was in Triple Trouble besonders auffällt, ist das instabile Gleichgewicht zwischen drei Welten:
Invaders spielerische, modulare Klandestinität
Shepard Faireys visuelle und politische Kritik
Damien Hirsts klinische und methodische Präzision
Das Ergebnis ist keine bloße Gegenüberstellung, sondern eine echte kreative Verschmelzung. Die Ausstellung zeigt, wie Street Art in den Museumsraum treten kann, ohne ihre subversive Kraft zu verlieren. Sie demonstriert die Energie einer Zusammenarbeit, bei der Künstler bewusst ihre eigenen Grenzen verwischen.
Die Invasion Kits
Seit 2000 verkauft Invader auf seiner Website gebrauchsfertige „Invasion Kits“. Dabei handelt es sich um vorgefertigte Mosaike aus etwa hundert Fliesen, verpackt in antistatische Schutzhüllen, bereit, überall angebracht zu werden. Die ursprüngliche Idee war, jedem die Teilnahme an einer „Invasion“ zu ermöglichen, sodass jeder einen Invader in seinem Zuhause, auf seiner Straße oder an einem Gebäude haben konnte. Die Kits tragen sogar die Botschaft „Bonne invasion“.
Da diese Kits jedoch in begrenzter Anzahl verkauft, mit einer eindeutigen Seriennummer authentifiziert und teilweise vom Künstler signiert werden, sind sie zu Sammlerobjekten geworden, deren Wert besonders in den letzten vier bis fünf Jahren stetig gestiegen ist. Sehr wenige sind tatsächlich auf den Straßen gelandet; die meisten befinden sich in Privatsammlungen. Der Erwerb eines authentifizierten Kits mit nachweisbarer Provenienz kann zwischen 20.000 und 30.000 € kosten.

Bis heute gibt es 18 Invader Invasion Kits: Invasion Kit #1 Albinos, Invasion Kit #2 Blue Octopus, Invasion Kit #3 Hollywoodee, Invasion Kit #4 Rubik Space, Invasion Kit #5 Atari, Invasion Kit #6 Runner, Invasion Kit #7 Union Space, Invasion Kit #8 Third Eye, Invasion Kit #9 Hypnotic Vienna, Invasion Kit #10 Paris, Invasion Kit #11 Blue, Invasion Kit #12 Home, Invasion Kit #13 Made In Japan, Invasion Kit #14 3D Vision, Invasion Kit #15 Glow In The Dark, Invasion Kit #16 Flash, Invasion Kit #17 MSF, Invasion Kit #18 Los Angeles.
Die Siebdrucke
Neben den Invasion Kits hat der Streetartist Invader auch rund fünfzig Siebdrucke produziert. Besonders begehrt bei Sammlern sind diejenigen mit Prägung, die ein Relief erzeugt und die Pixel der Motive hervorhebt. Dabei handelt es sich häufig um die ältesten Drucke.

Praktische Informationen
Ort: Newport Street Gallery, London SE11 6AJ
Daten: 10. Oktober 2025 – 29. März 2026
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10:00 – 18:00 Uhr
Eintritt: Frei
Veranstaltet von: HENI
Mit Triple Trouble erlebt London eine seltene künstlerische Konfrontation. Drei Künstler mit unterschiedlichen Universen treten in ein Spiel gegenseitiger Beeinflussung ein. Im Zentrum dieser Alchemie verkörpert vielleicht Invader am besten den Geist des „Trouble“: ein Eindringling, der durch die Pixelisierung der Welt die Grenze zwischen Straße und Museum neu zieht.





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