Laurence JENKELLs eingewickelte Bonbons in Saudi-Arabien
- Romain Class
- 2. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Jan.
Die Ausstellung von Laurence Jenkell in La Petite Maison Riyadh, einem französischen Restaurant in Saudi-Arabien, ist Teil eines einzigartigen Ansatzes, bei dem zeitgenössische Kunst einen lebendigen und sozialen Raum einnimmt – fernab traditioneller Museumskontexte. Indem sie ihre ikonischen Bonbon-Skulpturen im Herzen dieses emblematischen französischen Restaurants installiert, bietet die Künstlerin ein ästhetisches Erlebnis, das in den Alltag integriert ist und bei dem das Kunstwerk mit der Architektur, dem Licht und den Gesten rund um den Tisch in Dialog tritt. Die Bonbons aus Plexiglas mit ihrer Transparenz und ihren leuchtenden Farben fangen die Energie des Ortes ein und werden zu visuellen Ruhepunkten, die die Besucherinnen und Besucher dazu einladen, innezuhalten, zu beobachten und zu interpretieren.

Die ausgestellten Werke wurden so ausgewählt, dass sie unmittelbar mit der Identität von La Petite Maison in Resonanz treten. Wrapping Bonbon Tomates ist eine Hommage an die charakteristische Zutat des Restaurants – ein Symbol mediterraner Großzügigkeit –, während Wrapping Bonbon Citrons Frische, Licht und die niçoisischen Wurzeln des Hauses heraufbeschwört. Durch dieses Spiel von Entsprechungen schafft Laurence Jenkell eine subtile Brücke zwischen Kunst und Gastronomie, in der Farbe, Form und Material Aromen, Texturen und kulinarische Emotionen widerspiegeln. Das Bonbon wird so zu einem vollständig sinnlichen Objekt – visuell, symbolisch und emotional.
Über den spielerischen und unmittelbar ansprechenden Charakter ihrer Skulpturen hinaus offenbart die Ausstellung die konzeptuelle Tiefe von Jenkells Werk. Die Drehung (das „Wrapping“), die jedes Stück prägt, verkörpert eine eingeschlossene Spannung: jene von Begehren, Erwartung und Begrenzung. Im raffinierten Rahmen von La Petite Maison Riyadh erhalten diese Arbeiten eine neue Dimension, indem sie den Kontrast zwischen Genuss und Zurückhaltung, Überfluss und Einschränkung hervorheben – eine Dualität, die besonders in einem dem Art de vivre gewidmeten Raum widerhallt. Die sorgfältig ausgearbeitete Transparenz des Plexiglases wirkt als Lichtoffenbarer und verwandelt jede Skulptur je nach Tageszeit und Blickwinkel der Betrachterinnen und Betrachter.
Diese Ausstellung findet zudem zu einem entscheidenden Zeitpunkt der kulturellen Öffnung Riads statt, da die saudische Hauptstadt ihren Anspruch bekräftigt, zu einem internationalen Zentrum zeitgenössischer Kreativität zu werden. Mit der Präsentation einer weltweit anerkannten französischen Künstlerin trägt La Petite Maison Riyadh zu dieser Dynamik bei und stärkt den interkulturellen Dialog. Die dauerhafte Installation der Werke unterstreicht dieses Bekenntnis zu Nachhaltigkeit und Verwurzelung und macht die Kunst zu einem integralen Bestandteil der Identität des Ortes.

So geht die Ausstellung von Laurence Jenkell in La Petite Maison Riyadh weit über eine bloße dekorative Präsentation hinaus und wird zu einem immersiven Erlebnis, in dem Kunst, Gastronomie und Kultur in einer einzigen Bewegung zusammenfinden. Die Wrapping-Bonbon-Skulpturen, zugleich heiter und von tiefer Bedeutung, verkörpern diese Begegnung zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, unmittelbarem Genuss und intimer Reflexion und bieten dem Publikum eine sensible und zeitgenössische Lesart französischer Kunst auf internationaler Bühne.
Das Konzept des Bonbons war ursprünglich keineswegs als Marketingidee gedacht, sondern entspringt einer sehr persönlichen Erinnerung der Künstlerin. Als Kind war Laurence Jenkell frustriert darüber, die Bonbonverpackungen nicht leicht öffnen zu können. Diese scheinbar unmögliche Drehung wurde später zu einer Obsession und rasch zum Kern ihres Werks: eine Metapher für menschliche, soziale und emotionale Blockaden.
Laurence Jenkell schlug keinen klassischen akademischen Weg in der Bildhauerei ein. Sie arbeitete viele Jahre in den Bereichen Kommunikation und Design, bevor sie den Schritt wagte, sich als Künstlerin zu etablieren. Diese Freiheit erklärt, warum sie sich bewusst einem Motiv widmete, das viele zunächst als zu schlicht oder wenig originell betrachteten – obwohl es technisch noch niemand überzeugend erforscht hatte, insbesondere die Drehung (das Wrapping) der Bonbonverpackung. Mitte der 1990er-Jahre begann Jenkell mit ihren Experimenten zur Bonbonform.
Eine Technik hinter dem Erfolg
Laurence Jenkell entwickelte die Technik ihrer gedrehten Bonbons aus Plexiglas durch umfangreiche empirische Experimente außerhalb traditioneller akademischer Strukturen. Ausgehend von einer Intuition, die mit der Drehbewegung verbunden war – entstanden aus der Schwierigkeit, ein Bonbon zu öffnen –, setzte sie sich mit den physikalischen Eigenschaften von PMMA (Plexiglas) auseinander: einem Material, das im kalten Zustand starr ist und empfindlich auf Hitze sowie innere Spannungen reagiert. Durch zahlreiche Versuche lernte sie, äußerst präzise Temperaturbereiche zu kontrollieren, in extrem kurzen Zeitfenstern zu arbeiten und vor allem die Drehung exakt zu kalibrieren, um eine eingefrorene Bewegung zu erzielen, ohne dass das Material ausbleicht oder reißt. Diese Phase erforderte viele Fehlschläge, zahlreiche verlorene Arbeiten und ein schrittweises Verständnis des Materialverhaltens unter Spannung.

Nach und nach entwickelte sie eine einzigartige, hybride Expertise an der Schnittstelle zwischen handwerklicher Präzision und Kunststofftechnik: kontrollierte Verdrehung, Formstabilisierung, langsames Wiedererhitzen zum Abbau innerer Spannungen, gefolgt von einer äußerst sorgfältigen Nachbearbeitung – insbesondere dem Polieren, um eine perfekte Transparenz zu erzielen. Die Wrapping-Technik wurde so zu einer persönlichen Sprache, untrennbar mit der Bedeutung des Werks verbunden: Die Drehung ist nicht bloß ein formaler Effekt, sondern das Ergebnis eines beherrschten Ringens mit dem Material und bringt visuell die Konzepte von Einschluss, Spannung und gebändigtem Begehren zum Ausdruck, die im Zentrum von Laurence Jenkells Arbeit stehen. In Handarbeit gefertigt und jedes Mal unterschiedlich verformt, ist jedes Werk ein Unikat.
Hinter der poppigen Ästhetik betont sie den Gedanken der Einschließung: Das Bonbon ist eingewickelt, geschützt und zugleich begrenzt. Sie nutzt es als Symbol für die moderne menschliche Existenz, gefangen zwischen Begehren, gesellschaftlichen Normen und Druck.
Eine technische Anekdote von besonderem Interesse: Lange Zeit experimentierte sie mit unterschiedlichen Materialien – Plexiglas, Aluminium, Harz, Muranoglas –, bevor sie die Technik der gedrehten Bronze meisterte, die aufgrund der Komplexität des Gusses äußerst schwierig umzusetzen ist, ohne das Gefühl von Bewegung zu verlieren.
Die Werke von Laurence Jenkell haben bei Auktionen bemerkenswerte Ergebnisse erzielt, was sowohl die Solidität als auch die internationale Anerkennung ihrer Position auf dem Markt für zeitgenössische Kunst und Pop Art widerspiegelt. Einige ihrer ikonischen Wrapping-Bonbon-Skulpturen aus Plexiglas, Bronze, poliertem Spiegelaluminium oder Marmor wurden bei renommierten internationalen Auktionshäusern wie Sotheby’s und Christie’s verkauft und erzielten dabei häufig Preise über den Schätzungen. Ein besonders herausragendes Ergebnis wurde in New York erzielt, wo eine monumentale Skulptur aus poliertem Spiegelaluminium für über 300.000 US-Dollar verkauft wurde und damit einen Rekord für die Künstlerin aufstellte. Diese Verkäufe bestätigen das anhaltende Interesse von Sammlerinnen und Sammlern an einzigartigen oder großformatigen Werken und verankern Laurence Jenkell fest unter den bedeutendsten zeitgenössischen französischen Künstlerinnen auf dem Sekundärmarkt.

Unter ihren zahlreichen internationalen Auftritten hat Laurence Jenkell die New Yorker Kunstszene nachhaltig geprägt – mit monumentalen Installationen ihrer berühmten Wrapping-Bonbon-Skulpturen, die ikonische urbane Räume in offene Freiluftgalerien verwandelten. Im Jahr 2018 eroberte ihre Serie „Candy Nations“ den Garment District entlang des Broadway: Rund zwanzig riesige Bonbon-Skulpturen, jeweils in den Farben eines G20-Landes gestaltet, feierten im pulsierenden Herzen Manhattans zugleich kulturelle Einheit und globale Vielfalt.
Parallel dazu wurde eine weitere bedeutende Installation mit dem Titel „Crossroads of the World“ im Port Authority Bus Terminal präsentiert – dem größten Busbahnhof der Welt. Sie bot Zehntausenden von Pendlerinnen und Pendlern täglich ein farbenfrohes künstlerisches Erlebnis im Rahmen ihres Alltags. Diese New Yorker Ausstellungen steigerten nicht nur Jenkells internationale Sichtbarkeit, sondern unterstrichen auch ihre Fähigkeit, zeitgenössische Kunst in stark frequentierte öffentliche Räume zu integrieren und alltägliche Wege in Momente der Entdeckung und des Staunens zu verwandeln.
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