Ausstellung von Mehdi Ghadyanloo in der Almine Rech Galerie in New York
- Romain Class
- 17. Okt. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Feb.
Der Name Mehdi Ghadyanloo ruft mentale Landschaften hervor, die zwischen Realität und Imagination schweben – schwebende Architekturen, in denen das Licht scheinbar der Schwerkraft trotzt. Nachdem der iranische Maler und Street-Art-Künstler die Wände Teherans zum Schwingen gebracht hat, kehrt er nun mit einer mit Spannung erwarteten Ausstellung nach New York zurück: The Sacred Circus – Suspended Myths, präsentiert in der Almine Rech Galerie vom 7. November bis 19. Dezember 2025. Diese fünfte Einzelausstellung mit der Galerie markiert eine neue Etappe in einer Karriere, die weiterhin Erinnerung, Einsamkeit und die Möglichkeit von Hoffnung in einer fragmentierten Welt hinterfragt.

Von den Straßen Teherans in die Galerien der Welt
Geboren 1981 in Karaj, nahe Teheran, wuchs Mehdi Ghadyanloo in einem Iran auf, der von Krieg und Zensur geprägt war, aber auch von einem starken Gemeinschafts- und Wiederaufbaugefühl. Als Sohn eines Landwirts und Weber entdeckte er früh die Macht der Bilder als Fluchtmittel. Nach einem Studium der Malerei an der Universität Teheran erwarb er einen Master in Animation – zwei Disziplinen, die seinen doppelten Ansatz für Raum prägten: sowohl architektonisch als auch erzählerisch, rigoros und poetisch.
Zwischen 2004 und 2011 erlangte der Street-Art-Künstler Anerkennung durch mehr als hundert monumentale Wandgemälde in Teheran. Diese Werke, inspiriert von westlichen Trompe-l’œil-Techniken, jedoch durch eine östliche Sensibilität geprägt, verwandelten die grauen Fassaden der Hauptstadt in offene Fenster zu parallelen Welten. Schwebende Ballons, Treppen in den Himmel, traumhafte Figuren – die Wände wurden zu Atemzügen in einer Stadt, die vom Beton übersättigt war. Diese öffentlichen Interventionen, unterstützt von der Stadtverwaltung, zeigten einen Künstler, der technische Meisterschaft mit symbolischer Kraft zu verbinden wusste.
Nach diesem urbanen Jahrzehnt verspürte Ghadyanloo jedoch den Wunsch nach Introspektion. Er hinterließ die monumentale Dimension, um zum intimen Raum der Leinwand zurückzukehren – ein Ort, an dem Stille, Einsamkeit und Licht eine metaphysische Dimension annehmen.

Die visuelle Sprache von Illusion und Leere
Auf seinen Leinwänden komponiert Mehdi Ghadyanloo geschlossene, aber atmende Räume – Boxen, Tunnel, Korridore oder offene Käfige, oft durch einen Lichtstrahl durchbrochen. Diese unmöglichen Architekturen erinnern an den metaphysischen Surrealismus von Giorgio de Chirico, die illusorischen Konstruktionen von Escher und die emotionale Zurückhaltung des amerikanischen Minimalismus.
Doch hier ist die Leere niemals karg – sie ist von Erinnerungen bewohnt. Ballons, Kinderspielzeug, Schaukeln oder bunte Kreise schweben wie Fragmente verlorener Träume durch die Luft. Diese einfachen, universellen Objekte werden zu Relikten der Kindheit – Symbole der aufgehobenen Unschuld angesichts der Schwerkraft des Erwachsenenalters.
Der Künstler erklärt oft, dass seine Werke vom Zwischenraum erzählen: zwischen Hoffnung und Nostalgie, Licht und Schatten, Freiheit und Zwängen.
„Ich male Orte, die es nicht gibt, aber an denen sich jeder wiederfinden kann“, vertraute er einmal während einer früheren Ausstellung in London an.
„The Sacred Circus – Suspended Myths“: Ein Theater schwebender Emotionen
Für seine neue Ausstellung in New York untersucht Ghadyanloo das Thema Zirkus – nicht als Ort des Spektakels, sondern als Metapher für die menschliche Existenz. Der Zirkus ist ein Ort, an dem alles möglich ist – wo sich Schönheit und Gefahr vermischen, wo Gleichgewicht in der Spannung der Leere gespielt wird. Gleichzeitig ist er ein ephemerer, wandernder Raum – fast heilig in seiner Zerbrechlichkeit.

Der Titel The Sacred Circus – Suspended Myths vereint diese beiden Dimensionen: das Heilige, das den Menschen mit einer Form von Transzendenz verbindet, und den schwebenden Mythos – also kollektive Geschichten, die in der Zeit eingefroren sind und die wir in uns tragen, ohne sie immer vollständig zu verstehen.
Durch eine neue Serie großformatiger Gemälde beschwört Ghadyanloo vertraute Formen herauf – Trapeze, Ringe, Seile, Lichtstrahlen – und lenkt sie gleichzeitig um, um Szenen der Stille und des Schwebens zu erschaffen. Die Figuren verschwinden: Es bleiben nur Objekte, Schatten und Strukturen. Es ist, als hätte die Aufführung pausiert, Platz machend für einen Moment des Wartens, fragilen Gleichgewichts, einen Atemzug, der zwischen zwei Welten schwebt.

Ein Gemälde von Licht und Stille
Ghadyanloos Stärke liegt in seiner Fähigkeit, Licht als Protagonisten zu malen. In jeder seiner Kompositionen tritt es aus einem unsichtbaren Winkel hervor, enthüllt Volumen, schafft Perspektiven oder öffnet den Blick nach außen. Seine sanften Schatten, subtilen Grauabstufungen und Ockertöne sowie seine Meisterschaft im Chiaroscuro erzeugen eine fast filmische Atmosphäre.
Diese geometrische Strenge schließt Zärtlichkeit nicht aus. Wo manche abstrakten Maler Kälte oder Distanz wählen, durchdringt Ghadyanloo seine Werke mit einer Poetik der Stille, einem stillen Humanismus. Seine leeren Räume sind keine Abwesenheiten, sondern Versprechen von Präsenz.
Zwischen Erinnerung und Hoffnung
Obwohl er jeden explizit politischen Diskurs vermeidet, setzt sich Ghadyanloo kontinuierlich mit seiner persönlichen Geschichte und der seines Landes auseinander. Seine mentalen Architekturen tragen die unsichtbaren Spuren des Iran-Irak-Krieges, von Überwachung und Verlust, aber auch von Resilienz und der Fähigkeit zu träumen gegen alle Widerstände. Seine Leinwände dienen als Zufluchtsorte, Räume der Reflexion darüber, was es bedeutet, in einer begrenzten Welt menschlich zu bleiben.
Im The Sacred Circus wird der Zirkus zur Metapher für dieses poetische Überleben: ein Raum, in dem trotz Leere und Spannung die Schönheit bestehen bleibt, schwebend.

Ein wichtiger Meilenstein in einer internationalen Karriere
Für die Almine Rech Galerie, die den Künstler seit mehreren Jahren vertritt, setzt diese Ausstellung eine erfolgreiche Laufbahn fort. Nach gefeierten Präsentationen in London, Brüssel und Shanghai bestätigt diese neue Einzelausstellung in New York Ghadyanloos zentrale Position in der globalen zeitgenössischen Kunstszene.
Seine Kunst, zugleich intim und universell, spricht ein breites Publikum weit über seine iranischen Wurzeln hinaus. Sie überschreitet kulturelle Grenzen und thematisiert, was uns alle verbindet: die Suche nach Sinn, die Erinnerung an Gefühle und die Schönheit des Zweifelns.
Ein Kunstwerk für unsere Zeit
In einer Ära, die von Bildern und Lärm übersättigt ist, bietet Mehdi Ghadyanloos Malerei einen seltenen Gegenpol: Stille, Langsamkeit, Kontemplation. Seine Leinwände, gleichzeitig streng und traumhaft, laden die Betrachter ein, die Zeit anzuhalten – um sich daran zu erinnern, dass Licht aus der Leere hervortreten kann und dass Mythos niemals vollständig verloren geht.
In New York verspricht The Sacred Circus – Suspended Myths ein immersives und meditatives Erlebnis, einen Dialog zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem. In diesem heiligen Zirkus der Erinnerung ist jeder eingeladen, einen Teil von sich selbst wiederzuentdecken, schwebend zwischen Schatten und Licht.
Ausstellung: The Sacred Circus – Suspended MythsKünstler: Mehdi GhadyanlooOrt: Almine Rech Galerie, 361 Broadway, New York
Daten: 7. November – 19. Dezember 2025
Vernissage: 7. November, 18–20 UhrWebsite: www.alminerech.com





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