Clément Covizzi: Tierische Poesie, durch Raku sublimiert
- Romain Class
- 22. Aug. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 9. Feb.
In der lebendigen Landschaft der zeitgenössischen Skulptur hat sich der französische Künstler Clément Covizzi als eine eigenständige Stimme etabliert. Seine keramischen Tierskulpturen, die mit der japanischen, überlieferten Raku-Technik gefertigt werden, zeichnen sich durch ihre eindringliche Ausdruckskraft und materielle Intensität aus. Zwischen Tradition und Moderne laden seine Werke dazu ein, unsere Beziehung zu lebendigen Wesen und zur Materie selbst neu zu überdenken.

Das Tier als universeller Spiegel
Seit seinen Anfängen hat Covizzi das Tier als zentrales Sujet seines künstlerischen Schaffens gewählt. Fernab eines dekorativen Naturalismus bevorzugt er jedoch eine reduzierte, beinahe archetypische Herangehensweise. Seine Bären, Haie, Gorillas oder Katzen sind keine realistischen Darstellungen: Sie verkörpern Symbole, vitale Kräfte.
Jede Skulptur, ein einzigartiges handgefertigtes Werk, trägt zugleich rohe Animalität und eine Dimension der Innerlichkeit in sich. Sie wirken uns gleichzeitig nah und fern, als entstammten sie einem kollektiven Unbewussten. Covizzi beschreibt das Tier nicht – er offenbart sein Wesen.
Die ancestrale Technik des Raku
Um diese Vision zum Leben zu erwecken, hat sich der Künstler für ein anspruchsvolles Verfahren entschieden: Raku, eine japanische Technik, die im 16. Jahrhundert im Kontext der Teezeremonie entwickelt wurde. Im Gegensatz zu konventionellen Brennverfahren beruht Raku auf einem sehr schnellen Zyklus: Die Stücke werden nach dem Brand bei hoher Temperatur noch glühend aus dem Ofen genommen und anschließend in brennbare Materialien (Sägespäne, Blätter, Papier) gelegt. Der Temperaturschock erzeugt Risse, Oberflächenstrukturen und Farbkontraste, die jedes Werk vollkommen einzigartig machen.
Diese Technik, die ebenso sehr von der Geste wie vom Zufall abhängt, verleiht jeder Skulptur absolute Einzigartigkeit. Keine zwei Werke Covizzis gleichen einander: Manche tragen feine schwarze Aderungen, andere kupferfarbene Reflexe oder Zonen matter Weißheit.
Für Covizzi ist dieses Moment der Unvorhersehbarkeit wesentlich:„Raku ist eine Lektion in Demut. Man bereitet die Form vor, man beherrscht den Brand, doch im Moment des Rauchens entscheidet das Feuer. Das Material bewahrt die Erinnerung an diesen Augenblick. Die Tiere, die ich forme, werden so zu Zeugen einer Transformation – fast einer Metamorphose.“

Ein lebendiges Material
Das Ergebnis verleiht den Skulpturen eine beinahe organische Dimension. Die rissigen Oberflächen scheinen an Haut, Rinde oder einen Panzer zu erinnern. Das Wechselspiel zwischen matten und glänzenden Partien ruft mal Assoziationen zu Stein, mal zu Metall, mal zu Leder hervor.
Diese Materialität, geboren aus Feuer und Rauch, tritt in einen Dialog mit der Tierform. Der Betrachter nimmt zugleich die Fragilität des Tons und die Kraft des dargestellten Tieres wahr.
Biografie: Ein singulärer Werdegang
Clément Covizzi, geboren in den 1980er-Jahren, wuchs in engem Kontakt mit der Natur auf, was seine künstlerische Sensibilität nachhaltig geprägt hat. Schon früh fühlte er sich zur Bildhauerei und Keramik hingezogen, schlug jedoch zunächst einen Weg ein, der ihn in den Bereich des Designs und der dekorativen Künste führte.
Erst während einer Reise nach Asien, durch die Entdeckung der japanischen Keramik und der Raku-Technik, fand er zu seiner eigenen künstlerischen Sprache. Fasziniert von der Philosophie des Wabi-Sabi – einer Ästhetik, die Unvollkommenheit, Vergänglichkeit und den glücklichen Zufall schätzt –, entschied er sich, diese auf sein eigenes Universum zu übertragen: jenes der Tierskulptur.
Seit über einem Jahrzehnt entwickelt er ein kohärentes Œuvre, das in mehreren Galerien in Frankreich und im Ausland ausgestellt wurde. Heute befinden sich seine Skulpturen in privaten Sammlungen und sprechen sowohl Liebhaber zeitgenössischer Kunst als auch Keramikbegeisterte an.

Eine begeisterte kritische Rezeption
Kritiker loben die symbolische Kraft und die materielle Tiefe seiner Werke. Laut der Kunstkritikerin Isabelle Moreau „scheinen Covizzis Tiere aus einer anderen Zeit hervorzutreten. Man kann nicht sagen, ob sie einer archaischen Vergangenheit oder einer erträumten Zukunft angehören. Sie sind Archetypen, Figuren der Erinnerung.“
Einige Sammler sehen in ihm den Erben einer Linie von Tierbildhauern, die mit Pompon begann – jedoch mit einer radikal zeitgenössischen Sprache, geprägt von Material und Zufall.
Vergleiche und künstlerische Linien
Während sich Clément Covizzi durch seine Verwendung der Raku-Technik auszeichnet, ist sein Werk zugleich Teil einer umfassenderen Geschichte der Tierplastik. So wie François Pompon zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Formen vereinfachte, um ihr Wesen freizulegen, verfolgt Covizzi eine ähnliche Suche – jedoch über das Medium der Materie selbst.
Er lässt sich auch mit zeitgenössischen Keramikkünstlern vergleichen, die die unvorhersehbaren Texturen des Feuers erforschen, etwa mit den japanischen Künstlern Ryoji Koie oder Masami Yamamoto. Während diese jedoch die Abstraktion bevorzugen, überträgt Covizzi die Philosophie des Raku auf eine universelle Ikonografie: die des Tieres.
Sein Werk steht somit an der Schnittstelle mehrerer Traditionen: der westlichen Tierplastik, der östlichen Keramikkunst und der zeitgenössischen Kunst mit ihrer Hinwendung zu Unvorhersehbarkeit und roher Materialität.

Zwischen Kunst und Handwerk
Was an seinen Skulpturen besonders auffällt, ist auch die Art, wie sie die Grenze zwischen Kunst und Handwerk verwischen. Die manuelle Geste, das Formen des Tons, der Räucherprozess – all dies erinnert an die Arbeit eines Töpfers. Dennoch gehören die Wahl der Formen, ihre symbolische Kraft und ihre Inszenierung eindeutig zur zeitgenössischen Kunst.
Covizzi nimmt diese Ambivalenz bewusst an. Für ihn „gibt es keine Hierarchie zwischen Kunst und Handwerk. Entscheidend ist die vermittelte Emotion.“ Seine Skulpturen fügen sich damit in einen zeitgenössischen Trend ein, der der Keramik wieder einen zentralen Platz in der Kunst einräumt, neben Künstlern wie Grayson Perry, Magdalene Odundo oder Johan Creten.
Ein aufstrebender Künstler
Heute stellt Clément Covizzi in mehreren Galerien in Frankreich und Europa aus. Seine Werke beginnen, auf internationalen Messen zu zirkulieren, und ihr Marktwert steigt stetig. Die Originalität seines Ansatzes – die Kombination aus Tierplastik und Raku – verleiht ihm eine starke, wiedererkennbare Identität.
Manche Beobachter sagen bereits voraus, dass seine Arbeiten einen Platz in Museumssammlungen finden könnten, so sehr beschäftigen sie sich mit den großen Traditionen der Bildhauerei und schlagen zugleich eine zeitgenössische Sprache vor.

Die Tierplastiken von Clément Covizzi sind keine bloßen Dekorationsobjekte.
Sie sind Begegnungen zwischen Tier, Mensch, Erde und Feuer. Durch die Raku-Technik verleiht er dem Material eine lebendige, unvorhersehbare Dimension und verortet seine Werke in einem erweiterten Zeitverständnis.
In einer Welt, in der die zeitgenössische Kunst zunehmend unsere Beziehung zur Natur, zu ihrer Fragilität und Vergänglichkeit hinterfragt, bietet Covizzi einen poetischen und verkörperten Zugang. Seine Tiere sind nicht nur Formen – sie sind Präsenz.
Und vielleicht liegt gerade darin ihre größte Stärke: Sie erinnern uns daran, dass in der Zerbrechlichkeit der rissigen Erde und der symbolischen Kraft des Tieres etwas Wesentliches zum Vorschein kommt – unsere eigene Beziehung zum Leben und zum Vergänglichen.





Kommentare